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Dispozinsen im Vergleich: Wann der Überziehungskredit teuer wird

Der Dispositionskredit ist der bequemste Kredit in Deutschland: keine Antragstellung, keine Laufzeit, keine Rate. Genau das macht ihn teuer. Wer den Dispo über Monate nutzt, zahlt Zinsen, die weit über denen eines Ratenkredits liegen, ohne dass es jemand anmahnt. Dieser Beitrag erklärt, wie der Dispo berechnet wird, wo die Zinsen 2026 stehen, was eine geduldete Überziehung kostet und wann sich der Umstieg lohnt.

Smartphone mit Banking-App und rotem Kontostand auf einem Schreibtisch, daneben Rechnungen und ein Stift, Nahaufnahme ohne lesbare persönliche Daten

Wie der Dispo funktioniert

Die Bank räumt dem Kunden einen Rahmen ein, meist das Zwei- bis Dreifache des monatlichen Geldeingangs. Bis zu dieser Grenze darf das Konto ins Minus rutschen. Zinsen fallen taggenau nur auf den tatsächlich genutzten Betrag an und werden quartalsweise abgerechnet. Der Zinssatz ist variabel und an einen Referenzzins gekoppelt, den die Bank im Preisverzeichnis nennen muss. Steigt der Referenzzins, steigt der Dispozins mit, allerdings folgen viele Banken bei Zinssenkungen deutlich langsamer als bei Erhöhungen.

Was der Dispo 2026 kostet

Die Spanne ist groß. Direktbanken und einzelne Genossenschaftsbanken liegen im hohen einstelligen Bereich, viele Filialbanken und Sparkassen im niedrigen bis mittleren zweistelligen Bereich. Bei einer geduldeten Überziehung, also wenn das Konto über den vereinbarten Rahmen hinaus ins Minus geht, kommt bei vielen Instituten ein Aufschlag von mehreren Prozentpunkten dazu. Ein Beispiel zur Größenordnung: Wer 2.000 Euro ein Jahr lang im Dispo zu zwölf Prozent nutzt, zahlt rund 240 Euro Zinsen. Derselbe Betrag als Ratenkredit über zwölf Monate kostet oft weniger als die Hälfte. Der Bundesverband deutscher Banken erklärt auf bankenverband.de, wie Dispozinsen zustandekommen und welche Informationspflichten Banken gegenüber Kunden haben, die den Rahmen dauerhaft nutzen.

Die Pflicht zur Beratung

Seit 2016 müssen Banken Kunden, die ihren Dispo über sechs Monate zu mehr als 75 Prozent ausnutzen, ein Beratungsgespräch über günstigere Alternativen anbieten. Das gilt auch bei geduldeter Überziehung über drei Monate um mehr als die Hälfte des monatlichen Geldeingangs. In der Praxis erfolgt dieses Angebot häufig als Standardbrief, den viele Kunden übersehen. Wer ihn bekommt, sollte ihn als das lesen, was er ist: ein Hinweis, dass der Dispo zum Dauerkredit geworden ist.

Alternativen zum Dispo

  • Ratenkredit: Feste Laufzeit, fester Zins, klare Rate. Für Beträge ab etwa 1.000 Euro, die länger als drei Monate im Minus stehen, fast immer günstiger. Welche Anbieter aktuell was verlangen, zeigt unser Kreditvergleich.
  • Rahmenkredit: Ein Kreditrahmen bei einer anderen Bank, flexibel abrufbar, meist mit deutlich niedrigerem Zins als der Dispo. Für Kunden, die die Flexibilität brauchen, aber nicht den Dispozins zahlen wollen.
  • Dispo verhandeln oder Bank wechseln: Viele Banken senken den Dispozins auf Nachfrage, vor allem bei Kunden mit regelmäßigem Gehaltseingang. Wer keinen Erfolg hat, findet bei Direktbanken oft die Hälfte des Zinssatzes.
  • Dispo begrenzen: Wer zur Überziehung neigt, kann den Rahmen freiwillig senken oder streichen lassen. Das schützt vor der geduldeten Überziehung, die am teuersten ist.

Dispo und Bonität

Ein eingeräumter Dispo ist für die Kreditwürdigkeit unproblematisch, solange er nicht dauerhaft ausgeschöpft wird. Ein ständig ausgereiztes Konto fällt der Bank auf und kann bei einer späteren Kreditanfrage zum Nachteil werden. Auch die Schufa erfährt vom Dispo nur den eingeräumten Rahmen, nicht die tägliche Nutzung. Wer seine Kreditwürdigkeit verbessern will, sollte deshalb zuerst den Dispo abbauen. Wie sich der Score sonst beeinflussen lässt, beschreibt unser Beitrag Schufa-Score verbessern.

Fazit

Der Dispo ist für Tage gemacht, nicht für Monate. Wer ihn kurzfristig nutzt, zahlt wenig und bleibt flexibel. Wer ihn dauerhaft nutzt, zahlt einen der teuersten Zinssätze, die Banken Privatkunden anbieten, oft ohne es zu merken. Der Blick in die Quartalsabrechnung und der Vergleich mit einem Ratenkredit sind die einfachsten Wege, das zu ändern.